Der Evangelist Lukas erzählt von der ersten Begegnung zwischen Marta und Jesus:
„Jesus und seine Jünger kamen in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn
freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem
Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch
genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht,
dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll
mir helfen!
Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur
eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt (andere Übersetzung: hat
richtig gewählt), das soll ihr nicht genommen werden.”
Eine ärgerliche Geschichte für alle, die das Gefühl haben, sich krumm zu legen, während andere es sich auf ihre Kosten gut gehen lassen. Für Marta aber ist es ihre Berufungsgeschichte. So ruft Gott in der Bibel Menschen auf seinen Weg: „Mose, Mose, zieh deine Schuhe aus!”, „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?”, „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen!”
Und Marta lernt. Im 11. Kapitel des Johannesevangeliums begegnen wir ihr wieder.
Der Bruder der beiden, Lazarus ist gestorben. Die Schwestern hatten Jesus gebeten,
zu kommen, als Lazarus krank wurde, aber er hatte zu lange auf sich warten lassen.
Wieder ist Marta diejenige, von der die Initiative ausgeht. Sie geht Jesus entgegen
und empfängt ihn mit dem Vorwurf: „Herr, wärest du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben!” aber auch mit dem unerschütterlichen
Vertrauen: „Aber auch jetzt weiß ich: Alles worum du Gott bittest, wird
Gott dir geben.” Von Jesus auf die Qualität dieses Vertrauens befragt,
antwortet sie mit einem Glaubensbekenntnis, das dem des Apostelfürsten Petrus
in nichts nachsteht: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn
Gottes, der in die Welt kommen soll.”
Die Beziehung zu ihrer Schwester ist weicher geworden. Wieder sitzt Maria zu hause.
Sie trauert und viele versuchen vergeblich, sie zu trösten. Marta aber „rief
heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich
rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.” (Joh 11, 28/29).
Das war wohl das einzige, was Maria aus ihrer Starre lösen konnte: Die Nachricht,
dass Jesus auf sie wartet.
Martas Vertrauen in Jesus wird nicht enttäuscht: Er holt ihren Bruder von den Toten
zurück.
Spätere Legenden erzählen, dass die drei Geschwister nach der Auferstehung Jesu aus Israel flüchten mussten und in Südfrankreich (in Ste Marie de la mer) landeten, wo sie auf ihre je charakteristische Art die Botschaft von Jesus, dem Christus verbreiteten. Von Marta wird erzählt, dass sie nach Tarascon kam, wo ein schrecklicher Drache (der Tarasque) die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte. Anders als in den bekannten Märchen und Legenden fraß dieser Drache keine Jungfrauen, sondern die jungen Männer der Stadt. Das Volk bittet Marta in der Kraft des neuen Gottes, den sie verkündet, den Drachen unschädlich zu machen. Und – wieder anders, als in den bekannten Erzählungen – reitet Marta nicht auf einem stolzen Ross und mit einer Lanze bewaffnet aus, den Drachen zu töten, sondern geht barfuß und nur mit einem Weihwasserwedel versehen hin, besprengt das Untier, betet und „von Stund an folgte ihr der Drache wie ein zahmes Hündlein”, schreibt die „Legenda Aurea”.